Meine Umzugshürde ;/ ... und was helfen kann

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07/15/2021

umzugshuerden

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Ich komme nun endlich mal wieder dazu, einen blogpost zu schreiben. Ich war nach außen eine Weile ruhig und berichte daher, was bei mir alles los war - denn das war ganz und gar nicht ruhig. Ich frage mich, ob Du auch so etwas erlebt hast und gebe Anregungen, was Du mit einer auftauchenden Hürde machen kannst.

Ich befinde mich gerade in einer Umzugsphase und wie es mit großen Veränderung so ist, es kommt immer anders wie mal es geplant hat. Oder geht es nur mir so? Hier ein kleiner Einblick was bei mir im letzten Monat so los war…

Ich habe ja schon mehrere internationale Umzüge hinter mir und die meisten selbst organisiert und wollte mich auf den Erfolgslohrbeeren der Vergangenheit ausruhen. Die bisherige Umzugs-Excel-Liste steht ja bereits auf dem shared drive, die Spedition ist bekannt und die Liste der zu kündigenden Karten auch geschrieben. Was sollte da noch schief gehen??

Brexit… den gab es in 2019 beim letzten Umzug ja noch nicht und diesen hab ich doch wirklich komplett unterschätzt. Oder nicht wahrnehmen wollen oder ignoriert oder einfach naiv betrachtet. Was auch immer die beste Beschreibung dessen ist, etwas nicht kommen gesehen zu haben, multipliziere es mit 10 und Du ahnst, wie geschockt ich durch diese Situation war. Klar wusste ich, dass sich etwas mit 1. Jan 2021 geändert hatte, aber ich kannte die Tiefe dessen nicht. Als Europäerin bin ich gewohnt mit Schengen dahin zu reisen und mich dort nieder zu lassen, wo es mir gefällt. Ich erinnere mich nur vage an die von meinen Eltern dramatisch lustig gespielte Überfahrt nach Österreich damals in den 80er. Wir brauchten Reisepässe und wurden darauf getrimmt, schön aus dem Fenster zu grinsen und dem Beamten mutig in die Augen zu sehen. Sogar meine Kuscheltiere bekamen einen Reisepass, damit sie auch ja mit in das Skigebiet reisen durften und nicht in der Eiseskälte beim Grenzübergang abgestellt werden mussten. Den Umgang mit Grenzen finde ich daher in meiner Vergangenheit ein wenig wieder. Ich weiß also, dass ich mich vorbereiten muss.

Visa, visum, permit, wie auch immer dieses Papierfetzerl heißt, dass in meinen Reisepass eingeklebt werden sollte, brauchte ich. So viel stand fest. Aber welches? Da gibt es ja so viele auf der gov.co.uk Seite. Ganz in UK style sind die meisten Seiten eigentlich verständlich geschrieben, aber irgendwie scheint es unterschiedliche Varianten zu geben. Manche laufen Ende Juni aus, manche sind extrem kostspielig und ha, da ist es ja, eines gibt es umsonst und beschreibt genau meine Situation. “Mit einem Briten in EU lebend und nach UK umziehen wollende Ehefrau” (frei und großzügig übersetzt ;)). Na, das trifft es doch. Gesehen, beworben, abgeschickt….

Und ich wartete und wartete und wartete. 3 Wochen vergehen (innerhalb derer das visa kommen hätte sollen), 5 Wochen vergehen. Ok, ich werde nervös und fang an, das ganze noch einmal zu lesen. Ja, es beschreibt mich immer noch, aber ich habe doch ein komisches Gefühl und erfrage das Verfahren, wie ich denn den Prozess stoppen kann und meinen Reisepass wieder erhalten könnte. Denn, es ist schon ein sehr seltsames Gefühl so ganz ohne Reisepass zu sein. Es ist meine Identität und das kleine rote Heftchen der Reisefreiheit. Zumindest war es das mal für mich. Im Visa Zentrum in Wien sagen sie mir, dass es ungewöhnlich lange dauert und über die extra teure hotline in UK dürfen Sie mir keine Auskünfte geben - klar, ist ja auch alles streng geheim. Also beauftrage ich so einen “request”, eine Nachforschung, woran es denn liegen könnte, dass ich mein visa noch nicht habe - Bearbeitungsdauer - 15 Tage. Hmm, so langsam befinde ich mich Anfang Juni und der d-day des Umzuges rückt immer näher. Nein, 15 Tage sind nicht drin und das komische Gefühl, dass da etwas anderes nicht stimmt, lässt mich auch nicht mehr los.

Ich muss handeln. Jetzt und zwar schnell. Also, ich rufe noch einmal bei der high security hotline an und erfahre von 3 verschiedenen Personen, dass mein visa ab 30 Juni nicht mehr gültig ist. Was?!?!?

Eine gefühlte 12 Monate Schreckstarre überkommt meinen Körper. Lähmungen breiten sich über mein gesamtes Wesen aus, physisch, mental, spirituell. Was wurde mir da gerade 2 Wochen vor meinem Umzug gesagt? Ich kriege kein visa? Wohnung ist gekündigt, Verträge laufen aus und die Spedition ist gebucht. OMG.

Nach der Starre steigt Hass in mir auf, Verärgerung darüber, dass mir das niemand vor Monaten gesagt hat, darüber, dass ich eigentlich gar nie bei der Brexit Abstimmung mit wählen durfte obwohl ich doch dort zu dem Zeitpunkt gewohnt hatte, darüber, dass ich einen Prozess gehen musste, den ich mir nicht direkt ausgesucht hatte, darüber, dass ich in einem System gefangen bin, dass viel grösser ist als ich und und und…. Viele externe Gründe steigen in mir auf bis ich schließlich bei mir ankomme. Was habe ich dazu beigetragen, dass es nicht geklappt hat. Und da fallen mir andere Dinge ein. Ich bin traurig darüber, dass ich das Kleingedruckte nicht gelesen hatte, traurig, dass ich nicht nach Hilfe gefragt hatte, traurig, dass ich den Prozess nicht ernst genommen hatte und spüre eine Trauer darüber, dass das Leben manchmal unfair ist und dass Hürden auftauchen, wenn wir sie nicht brauchen. Ich setze mich an meinen Küchentisch und fange an eine Geschichte zu schreiben (nicht veröffentlicht)….

Moment der Reflexion

Schön, dass Du so weit gelesen hast. Mich interessiert an dieser Stelle, ob Du auch so eine Situation erlebt hast? Es versperrt sich Dir eine Situation, die Türen fallen lautstark zu und der Weg vor Dir führt in eine Sackgasse. Welche Situationen fallen Dir ein? Wie erging es Dir und was hast Du gefühlt?

Schreibaufgabe (wenn Du magst)

Nimm Dir doch einfach 10 Minuten Schreibzeit, Deine Erlebnisse aufzuschreiben und Dich treiben zu lassen. Schreibe für Dich oder für jemand anderen. Gerne kannst Du mir auch Deine Geschichte zum lesen schicken, das würde mich sehr freuen. Schreib einfach drauf los, schaue was kommt, versetze Dich in Deine Situation wieder zurück und beschreibe Deine Gedanken und Reaktionen.

Was uns der Ärger sagen kann

Ich habe bewusst bei dem für mich schrecklichsten Moment aufgehört, um es für mich selbst noch einmal wirken zu lassen. Zu schnell versuchen wir negative Gefühle zu verdrängen, Angst zu leugnen und sofort nach Lösungen zu suchen. Klar, es fühlt sich ja auch nicht gut an, so einfach unvorhergesehen ein Problem vor der Nase zu haben. Aber genau hier können wir ansetzen und versuchen zu verstehen, warum uns diese Gefühle überkommen und kurz aus der Bahn werfen. Was wollen sie uns zeigen?

Wenn wir uns noch einmal in einem sicheren Raum in eine schwierige Situation hineinversetzen, können neue aufschlussreiche “learnings” entstehen, denn wir nehmen uns selbst aus einer anderen Perspektive war. Das Schreiben kann uns dabei helfen, die versteckten Gedanken und manchmal auch Lösungen entstehen zu lassen.

Also, jetzt aber wieder zurück zu Deiner Situation, wenn Du Lust hast :) Ich wünsche Dir viel Spaß beim Schreiben, reflektieren und dass Dich die “Aha-Muse” beim Schreiben küsst. Alles Liebe, Brigitta

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