Authentizität

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05/16/2022

Authentisch leben

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Was bedeutet es für Dich, authentisch zu sein? Ist es sinn-voll oder sinn-los, oder etwas ganz anderes?

Laut wikipedia gilt als authentisch ein solcher Inhalt oder eine Person, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung - der unmittelbare Schein und das eigentliche Sein - in Übereinstimmung befunden werden. “Befunden” werden gibt hier leider die Macht an das Gegenüber ab, also jemand anderes bestimmt, ob ich nun authentisch war oder nicht.

Was bedeutet authentisch sein für mich?

Authentizität bedeutet für mich, immer wieder zu reflektieren, ob das was ich gerade mache, für mich ok ist. Fühle ich mich wohl in meiner Haut, macht mir das Projekt noch so Spass oder gibt es etwas, was mich stört und blockiert? Ob meine Gedanken, mein Gefühl und meine Handlung für mich übereinstimmen, kann ich selbst überprüfen, weniger leicht ist es, wie sie mein Gegenüber empfindet. Im Zuge meiner Fragestellung, wie ich Authentizität beschreibe, schaue ich mir mal 3 Ebenen an:

1. Äussere & kulturelle Passung
2. Passung im Umfeld, z.B. Unternehmen
3. Innere Passung

1. Äussere & kulturelle Passung

Als ich nach Bildern zu Authentizität suchte, hat mir pexels kulturelle und religiöse Symbole vorgeschlagen und ich spürte sofort, ja genau, etwas Altes, etwas schon immer getanes, etwas Originales, das ist authentisch. Das Wort an sich findet laut Achim Saupe (siehe auch Artikel link unten) seine Herkunft im Griechischen und Synonyme dazu sind „Glaubwürdigkeit“, „Zuverlässigkeit“, „Unverfälschtheit“, „Wahrheit“ oder “Echtheit”. Authentisch sein ist daher durch und durch original zu sein, wie ein Diamant, der über Jahre hinweg stetig gewachsen ist und von der Umwelt geprägt. Wir finden Authentizität im Tourismus, in der Politik, in der Religion und auch im Essen. Vieles, was uns von anderen und anderem abzeichnet.

Wir als Volk bestimmen, ob eine öffentliche Person, z.B. ein/e Politiker/in als authentisch angesehen wird. Fast automatisch springt unser Gehirn an und vergleicht das, was wir von der Person wissen, mit dem, was wir von der Person erwarten, um ihn oder sie auf Echtheit zu überprüfen. Gestik, Mimik, Herkunftsmerkmale usw. So gerne ich es selbst vermeiden würde, aber ich falle in einen Abwägungsmechanismus hinein, urteile und stelle Annahmen an, damit ich auch ja keine Fälschung erhalte.

Neulich habe ich einen Anruf für eine Lieferung erhalten und der Lieferant hatte mich vor der Lieferung angerufen, ob ich zu Hause wäre. Der männliche Lieferant war von indischer Abstammung und sprach mit starkem Akzent Englisch. Er begrüßte mich mit einem saloppen “Hey love”, was hier im Umkreis oft benutzt wird und nichts freches ist. Mich hat jedoch die Kombination Akzent und lokaler fest verwurzelter Slang irritiert und das Gefühl ausgelöst, einen un-echten Gesprächspartner vor mir zu haben. Netter Mensch, aber das, was und wie er etwas gesagt hat, passte nicht zusammen. Die Sprache “hey love” gehört in meinem Weltbild zu einer 70jährigen durch und durch Britischen Person.

2. Passung im Umfeld, z.B. Unternehmen

Als weiteres Element betrachte ich die Rollen-Person-Passung. Wie fühle ich mich in der Rolle, die mir aufgetragen wurde? Kann ich das vertreten, was mein Chef oder das Unternehmen erwarten?

Mitte 20 war ich als CIP Manager in einer grossen Firma tätig. Ich bekam die Aufgabe 5S (ein Prozess der physischen Sauberkeit und Ordnung in vorwiegend Produktionsstätten) für die Büroräume einzuführen. Ich selbst hatte davon bis dahin noch nie etwas gehört und hab mich darüber informiert. Damit ich mich irgendwie damit identifizieren konnte, habe ich nach etwas gesucht, das ich selbst auch vertreten konnte. Also habe ich mich auf den Aspekt des Aufräumens fokussiert, denn ich liebe es durch alte Sachen durchzustöbern und mal so richtig auszumisten.

Leider waren das nur die ersten 2 S und es gab noch 3 weitere, bei denen ich mir dann schwer tat. Das letzte steht für “sustain”, also etwas regelmäßig zu überprüfen, ob wir auch das machen was wir gesagt haben, das wir machen. Ich wurde zu einer Art Qualitätsprüferin, die durch die Büroräume ging und die Aussenansicht der Büroräume inspizierte. In dem Moment war ich weit weg von Authentizität und es hat mir innerlich weh getan, diese Rolle einnehmen zu müssen. Die äußere Rollenerwartung war nicht mit meiner eigentlichen Person stimmig. Bei mir selbst hatte es eine innere Verbiegung ausgelöst und ich bin mir sicher, dass ich dann nicht mehr glaubhaft rüber kam.

3. Innere Passung

Der dritte Aspekt ist ganz in meinem Inneren zu finden. Auch wenn ich mich in der richtigen Kultur bewege, den für mich richtigen Beruf gefunden habe, kann es sein, dass es immer noch einen Teil gibt, bei dem ich mich unecht fühle. Das kann verschiedene Ursachen haben. Wie sehe ich selbst meine eigene Stärke, glaube ich an das, was ich kann und finde ich mich wert-voll und sinn-voll in meinem Tun? Sehe ich mich mit Liebe oder mit Hass und welche Emotionen treten dann wann zum Vorschein? Je denke, je besser ich meine eigenen Werte schätze, meine Wunden kenne und mit mir im Reinen bin, desto vereinter sind mein Denken, Fühlen und Handeln. Einfach oder?!? ;)

Was meinst Du? Kannst Du Authentizität trainieren oder verbessern? Ist Authentizität eine Modeerscheinung, überbewertet, erstrebenswert oder etwas ganz anderes?

Bei WLS wird es einen Schreib-Mittag zu diesem Thema am Freitag 20.Mai um 12:00 geben.

Am 16.05.22 gab es zum Thema ein Abend-Event bei Thomas Bünten, Xing Ambassador Leipzig. Hier könnt ihr Euch die Präsentation ansehen.

Hier noch ein lesenswerter Artikel:
https://www.tagesspiegel.de/wissen/kulturgeschichte-der-authentizitaet-nur-das-echte-zaehlt/12766908.html

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